Dogville — KULTURZEIT TIPPS

Schauspielstück nach dem Film von Lars von Trier

„Wir gedeihen, entwickeln (uns), wachsen durch unser Teilnehmen und Spüren am und im Fremden, Unbekannten, Anderen. Das dürfen wir nie vergessen. Sonst gehen wir unter in der Heimatheimeligkeits-Wirbleiben-allein-unter-uns-Inzuchtsuppe.“ Stephan Kimmig

Am Ende (oder Anfang) der Zivilisation, am Fuss der Rocky Mountains, liegt ein kleines Städtchen, eine 15-Seelen-Gemeinde: Dogville. Dort leben die Bewohner abgeschieden vom Rest der Welt ihr kleines Dasein – eine Gemeinschaft in einem geschlossenen System, in dem jeder seiner Arbeit nachgeht und alles seine Ordnung hat. In Dogville gibt es keine Fremden, Fremde kommen dort nicht hin. Höchstens ein Mensch, der sich verstecken will, ein Mensch auf der Flucht … Und so ein Mensch ist Grace, eine junge Frau, die sich in dem Provinznest vor der Polizei und der Gangsterbande ihres Vaters verstecken muss. Entdeckt wird sie vom Gutmenschen Tom, dem Künstler und Missionar, der sich zu ihrem Beschützer erklärt und sich in sie verliebt. Er überzeugt die Bewohner von Dogville, Grace aufzunehmen, während sie als Gegenleistung für die Gemeinde arbeiten soll. Sie gewinnt schliesslich das Vertrauen der Bewohner, indem sie sich vollkommen für sie aufgibt. Aber mit der Zeit verändert sich das Verhalten der Gemeinschaft gegenüber Grace. Es verhärtet sich. Eine Verrohung macht sich breit. Als die Polizei mehrmals auftaucht und mit Steckbriefen nach Grace sucht, beginnt die Stimmung zu kippen. Grace muss sich ihr Aufenthaltsrecht und ihren Schutz immer härter erarbeiten. Sie wird zum Mädchen für alles, zur Gefangenen und zum sexuellen Freiwild für die Männer. Sie wird zum Objekt von Macht, Obsession, Bosheit und Gewalt. Aber Grace gibt sich nicht auf und wehrt sich …

Lars von Trier erzählt in seinem Film „Dogville“ (2003) eine moderne Passionsgeschichte und eine Parabel über Rache und Moral, die zeigt, was die plötzliche Macht über einen fremden Menschen in einer Gemeinschaft auslösen kann. Inspiriert wurde er zu diesem Stoff unter anderem von Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“.

Stephan Kimmig, der zuletzt Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans“ im Pfauen inszenierte, gehört zu den profiliertesten Theaterregisseuren im deutschsprachigen Raum mit einer grossen Bandbreite von klassischen und zeitgenössischen Stoffen. Seine Inszenierungen wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Nestroy-, dem Faust-Preis und mehreren Einladungen zum Berliner Theatertreffen.